Abschluss des Wettbewerbes siGn

Am 26.09. wurden in Halle (Saale) die 21 teilnehmenden Schulen gewürdigt und sechs Presiträger ausgezeichnet.

 

„Es gibt viele tolle Schulen in Sachsen-Anhalt“

Wettbewerb "siGn" zeichnet in Halle die besten Ganztagsschulen im Land aus

Im Kinosaal des Puschkinhauses in Halle sind rund einhundertdreißig Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte in Bewegung, rücken ihre Hocker hin und her, lächeln sich kurz an, bis sie alle einen großen Kreis gebildet haben. Gerade saßen sie noch in sieben Reihen hintereinander, den Blick nach vorn zur Bühne gerichtet. Nun schauen sie sich zum ersten Mal an: Kinder aus Grundschulen, Jugendliche aus Sekundarschulen und Gymnasien, Lehrerinnen und Lehrer. Sie alle kommen von Ganztagsschulen, die am Wettbewerb "siGn - stark im Ganztag" teilgenommen haben – initiiert von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), genauer der Serviceagentur Ganztägig lernen Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Ganztagsschulverband des Landes Sachsen-Anhalt.

 

Alle sind sie nun zur Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs nach Halle gekommen, um zu erfahren, wer die Preisträger sind, aber auch, um sich persönlich kennenzulernen, über ihre Ideen und Projekte zu sprechen und Wissen weiterzugeben. Dazu sind jetzt Vorschläge gefragt: "Zu welchem Thema möchtet ihr euch austauschen und Ideen der anderen bekommen?", fragt Moderator Andreas Leipelt in die Runde und fordert vor allem die Schülerinnen und Schüler auf. Doch: Totale Stille, keine Reaktion. Erst nachdem er alle Erwachsenen hinausgeschickt hat, werden die Schülerinnen und Schüler lebhafter und bringen ihre Themen an. Zehn Minuten später hängen zwölf große Post-Its mit Ideen an der Themenwand: Wie löst ihr Raumprobleme für Freizeitangebote? Wie bringt ihr die Digitalisierung voran? Wie kann die Ganztagsschule auf das Leben vorbereiten? Oder: Wie regelt ihr die Handynutzung? Über diese Themen und andere möchten sie gern sprechen. Dann geht es los: anderthalb Stunden Zeit, um an den verschiedenen Themeninseln Erfahrungen zu teilen oder Anregungen zu bekommen.

 

Austausch und Vernetzung seien zwei zentrale Anliegen des Wettbewerbs, sagt Ines Petermann, während die Diskussionen laufen. Sie ist Vorsitzende des Ganztagsschulverbandes Sachsen-Anhalt und Mitentwicklerin von "siGn". "Vor allem aber soll "siGn" den Schulen Mut machen, ihre Ziele trotz der Schwierigkeiten weiterzuverfolgen", sagt sie. "Sie können zeigen, wie sie den Ganztag gestalten und sehen, wie andere es tun." Ganztägiges Lernen bedeutet für Ines Petermann: bessere Chancen für die Schülerinnen und Schüler. Als Schulleiterin der Gemeinschaftsschule Friedrichstadt Wittenberg setzt sie das Konzept mit Leidenschaft um. "Der große Vorteil des ganztägigen Lernens ist, dass die Schülerinnen und Schüler das, was sie im Unterricht lernen, in anderen Kontexten anwenden und vertiefen können. Dadurch eröffnen sich neue Horizonte und sie sehen, warum sie etwas lernen." Im normalen Unterricht erschließe sich das oft nicht. Sie räumt allerdings ein, dass es in Sachsen-Anhalt neben Programmen wie der Serviceagentur noch an weiteren "Unterstützungssystemen" fehlt, "um die Ideen, die Schulen haben, gut umsetzen" zu können. Das wiederum gleichen die Ganztagsschulen durch viel Engagement aus.

 

Diese engagierte Arbeit der Schulen zu würdigen, ist ein weiteres Anliegen von "siGn - stark im Ganztag". 21 Schulen haben sich beworben und einer Jury bei einem persönlichen Besuch vor Ort ihre Arbeit vorgestellt. Da es bei "siGn" nur Gewinner geben soll, wurde in Halle jede einzelne Schule geehrt: mit einer Urkunde und einem Gutschein für zwei Lautsprecher, die „siGn-Verstärker“. Dazu erschien auf der Leinwand ein Zitat der Jury, dass die positive Arbeit der Schule hervorhob. Alle Schulen haben gemeinsam, dass die Schülerinnen und Schüler stark einbezogen werden, die Lehrkräfte sie tatkräftig unterstützen, ihnen Freiräume zum Denken und Lernen geben und sie vielseitige Angebote für ihre persönlichen Entwicklung bekommen.

 

Solche Angebote sind zum Beispiel AGs zu unterschiedlichen Themen. Die 15jährige Marie mag die vielen AGS an ihrer Schule, der Sekundarschule Möser, am meisten. Gerade diskutiert sie an der Themeninsel "AGs selbst leiten". Dass Schülerinnen und Schüler Eigeninitiative zeigen, findet sie sehr wichtig. Marie, die seit ihrer Kindheit leidenschaftlich gern tanzt, hat zwei Jahre lang eine Tanz-AG geleitet. Was war besonders toll daran? "Das Glücksgefühl, anderen zu zeigen, was ich kann, ihnen etwas beizubringen und zu sehen, wie sie sich entwickeln", sagt sie.

 

An einer anderen Themeninsel spricht der 16jährige Marc mit ein paar anderen über "eigenverantwortliches Lernen". Er besucht die Gemeinschaftsschule „Albert Schweitzer“ Aschersleben. Dort ist diese Lernform fest im Stundenplan verankert, erzählt er. "Zu einem Oberthema können wir selbst ein Unterthema wählen und es eigenständig bearbeiten." Eine tolle Art zu lernen sei das, "weil ich mich so mit Dingen beschäftige, die mich wirklich interessieren". An seiner Schule schätzt er besonders, dass er als Schüler über Vieles mitentscheiden darf. Und was gefällt ihm am Ganztagskonzept? "Dass ich keine Hausaufgaben mehr machen muss, wenn ich nach Hause komme", sagt er ohne nachzudenken und lacht. Und noch etwas: "Wir haben weniger Frontalunterricht und mehr Gruppenarbeit als andere Schulen."

 

Beim Wettbewerb "siGn - stark im Ganztag" gibt es keine Verlierer, dennoch werden sechs Schulen geehrt – Schulen, die "ihren Schülerinnen und Schülern ganz besondere Lernchancen bieten". Das sagt die Vorsitzende der Geschäftsführung der DKJS Heike Kahl, die die Preisträger im Wechsel mit Ines Petermann verliest: die Dreisprachige Internationale Grundschule Magdeburg, die Grundschule Johannes Gutenberg Wolmirstedt, die Sankt Mauritius Sekundarschule Halle, die Gemeinschaftsschule G. E. Lessing Salzwedel, die Gemeinschaftsschule Albert Schweitzer Aschersleben und das Gymnasium Stadtfeld Wernigerode. Nacheinander gehen die Stellvertretenden der Schulen – Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte – auf die Bühne, wo ein Jurymitglied eine Laudatio verliest, und erhalten neben viel Applaus ein Preisgeld von je 1000 Euro – gesponsert von der AG Papenburg und dem Ostdeutschen Sparkassenverband.

 

"Wir wollten vor allem dabei sein", sagt Anne Feige, Schulmanagerin an der Sankt Mauritius Sekundarschule Halle, freudig überrascht. "Der Preis bedeutet, dass wir auf dem guten Weg sind und bestärkt uns darin." Der Schulleiter der Dreisprachigen Internationalen Grundschule Magdeburg Mike Keune sieht den Preis als "eine wichtige Anerkennung für die Arbeit der Kollegen und für das Vertrauen, das die Eltern uns entgegenbringen". Teilgenommen habe die Schule, "um andere Ganztagsschulen kennenzulernen, dazuzulernen und über den Tellerrand zu schauen", sagt er.

 

In der abschließenden Feedbackrunde äußern verschiedene Lehrkräfte Dank und Freude – Dank für die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die sie im Wettbewerb erfahren haben, und Freude über die Ermutigung und den Austausch. Eine von ihnen ist die Schulleiterin der Albert Schweitzer Schule Aschersleben Katrin Jelitte. "Wir sehen hier: Es gibt viele tolle Schulen in Sachsen-Anhalt, die eine super Arbeit machen", sagt sie. "Ich hoffe, dass die Ganztagsschulen auch von der oberen Führungsebene mehr wahrgenommen werden. Das ist nämlich auch eine Form von Wertschätzung."

Text: Katja Hanke

Foto: DKJS/Anna Kolata

 

 

Die Preisträger

 

Dreisprachige Internationale Grundschule in Magdeburg (Stiftung evangelische Jugendhilfe St. Johannis)

kindgerecht lernen, sicher digital & natürlich Sprachreichtum erwerben

Eine vertrauensvolle Atmosphäre, um unterschiedliche Kulturen und (Sprach-) Welten kennenzulernen.

 

Grundschule „Johannes Gutenberg“ in Wolmirstedt 

bedürfnisorientiert & vielseitig anregend lernen, spielerisch in verantwortungsvolle Rollen hineinwachsen

Individuelle Lernwege ermöglichen es jedem Kind, sein Tempo zu finden und an Aufgaben zu wachsen.

 

Sekundarschule „Sankt Mauritius“ in Halle (Saale) (Edith-Stein-Schulstiftung des Bistums Magdeburg)

werteorientiert, sozial engagiert & reflektiert lernen für den individuellen Lebens- & Berufsweg

Rituale als Grundlage für ein soziales Miteinander, vernetzter Unterricht, um Themen intensiver zu erarbeiten.

 

Gemeinschaftsschule „Albert Schweitzer“ in Aschersleben

eigene Interessen & Stärken in der Mut machenden Gemeinschaft finden & zielorientiert ausprägen

Gemeinschaft und Unterstützung der einzelnen Schülerpersönlichkeiten werden großgeschrieben.

 

Gemeinschaftsschule „Gotthold Ephraim Lessing“ in Salzwedel

im Wohlfühlklima interkulturell lernen & verantwortlich handelnde Persönlichkeiten werden

Positives Schulklima als „Motor“ für erfolgreiches Lernen, gelebte „Willkommenskultur“ rundet dies ab.

 

für das Gymnasium „Stadtfeld“ in Wernigerode 

eigeninitiativ, forschend lernen & nachhaltig unternehmerisch Handeln für die Region

Interesse und Engagement der Schülerinnen und Schüler als Ausgangspunkt für gelungener Kooperation.